Der Frau des Polykrates

Ich kenne Deinen Ring.
Er glänzt von Silber fein.
Du ließest ihn einmal
Auf meinem Nachttischlein.

Du warst schon durch die Tür.
ich lag noch übermannt,
Glückselig – da fiel
Dein Blick auf Deine Hand.

Die Furcht entging mir nicht.
Du kamst zurück gerannt.
War wirklich Furcht in Dir,
Ich hielte ihn als Pfand?

Ich bin so trickreich nicht.
Der Ring erschien mir hohl.
Von innen war er’s auch.
Ein treffliches Symbol.

Dem Ring gelingt doch nie,
Was nur die Seele schafft.
In ihm steckt nicht Magie.
Dein Herz liebt lau, ist schlaff.

Und würfst Du ihn ins Meer.
Ein Fisch brächt’ ihn an Land.
Dein wahres Glück entwich
Aus Deinem Horizont.

25.Mai 19
A.R.