sous terrain

Vor meinen Fenstern sprießen Disteln.
Lasst sie gefälligst unbeschnitten.
Aus meiner Feder schießen Episteln
Gegen die Krone und gute Sitten.
Ein braunes Kätzchen lugt hinunter.
Einst war sie so frei hinein zu tappen.
Bei mir geht’s lustig zu und munter.
Niemand braucht nach Luft zu schnappen.

Wer stirbt heut noch vom Leben gesättigt?
Wem nützt wahrhaftig der Fleiß der Bienen?
Ich stahl den Mais, ich rupfte den Rettich,
Fuhr Schwebebahn unter den Schienen.
Ein Mädchen schwenkt die rote Fahne,
Wo jetzt alle die weiße hissen.
Im Engelsgarten unter der Platane
Glühten Lippen, erblasst nun unter Kissen.

3.5.20
A.R.