Pein prügelt das Beste aus Poeten

Wie hing ich früher gern
An Ates Zitzen,
War nicht abzustillen.
Ich verstand es alles Unglück
Aus ihr 'raus zu kitzeln,
Ließ den Bocksgesang anschwillen - 
Doch sind die Zeiten fern.

Ich hänge ab das Bild,
Hab's zu lang angeschaut.
Ich sag es satt und abgestillt:
Pein holt sicher das Beste
Aus den Dichtern raus.
Pein prügelt das Beste aus Poeten.

Fortuna war nur da
Als Kammerzofe
Ate einzukleiden.
Wahre Göttin der Verblendung
Ging sie aus und ein bei Hofe.
Ich verwechselte die Beiden.
Doch endlich seh ich klar.

Ich zieh galant den Hut
Und mach mich aus dem Staub.
Ich sag es ohne Wehmut:
Pein holt sicher das Beste 
Aus den Dichtern raus.
Pein prügelt das Beste aus Poeten.

Schlawiner

Es regnet nicht Kamellen,
Der Karneval ist abgesagt.
Und nirgends zu bestellen
Gibts Rosen für den Valentinstag.
Schuld ist dieses Virus aus China.
Der Narr liebt seinen Spleen,
Jens Spahn liebt Pandemien.
Ich vermisse meine Valentina.

Ihren Namen, ihren Namen,
Den ich tief inwendig weiß,
Ich hatte ihn vordem einmal verraten,
Geb ich unter der diesjährigen Folter nicht preis.
Und Nein, sie heißt nicht Carmen,
Sabrina oder auch Alina,
Schräg klingt auch Carina,
Nenn sie einfach Valentina,
Ich bin ihr Schlawiner.

Sie wär heut aufgekreuzt
Mit ihrem scheelen Tünnes.
Verkleidet hätt ich ihr geseufzt:
"Lass den Herrn dort stehn, ich bin es,
Dein Dich liebender Schlawiner."
Doch was das Herz mir auftrug,
Stumm bleibts ohne Aufzug,
Unerhört für meine Valentina.

Nur das bleibt nem Schlawiner
Mitten in dem Pandemiechen:
Mit Worten zu verdrießen
Und mit Öl das Feuer gießen.
So tun auch dieser Tage Mediziner.

A.R.
Valentin 2021

Vor meiner Zeit

Vor meiner Zeit
(übertragen aus dem englischen Original Before my time von Johnny CAsh)

Ich weiß, dass Herzen liebten
Lang bevor ich lebte hier.
Ich bin der Erste nicht, der je geweint
Hinein ins Bett, ins Bier.
Es gab Lieder vor dem Rundfunk
Über Liebe, die hält und
Bricht, ja und
Sie erschufen Trauerweisen
Und reimten Tränenleid

Vor meiner Zeit
Vor meiner Zeit

Lieder aus verstaubten Büchern,
Als ob die Zeit nicht rinnt,
Von Liebenden auf Gipfeln,
Die längst über alle Berge sind.
Alt hergebrachte Liebesschwüre
Kommen wieder rein zur Türe,
Nur die Namen ausgetauscht:
Dieselbe Lauterkeit

Vor meiner Zeit
Vor meiner Zeit

Und in der Funzel von gestern
Kann ich klar erkennen,
Wie die Eingeweide
Bei Einer brannten,
Wie sie in mir brennen.
Es birst das alte Lied, das sagt:
"Ich liebe Dich auf Ewigkeit"

Vor meiner Zeit
Vor meiner Zeit

Aber wies den alten Meistern ging,
Ergeht es mir mit Dir.
Das Gefühl bleibt gleich,
Vergeht auch ein Jahrtausend hier.
Und hätten sie was mitgekriegt,
Wies prickelt zwischen Dir und mir,
Nach solcher Liebe hätten sie gesucht
Und kaum gefunden weit und breit

Vor meiner Zeit
Vor meiner Zeit...

A.R.



Rauhnächte

Wenn ein Kobold ratscht mit seiner Säge
An dem Stamm vom Weltenbaum,
Dann wird ein Mensch, der mit der Zeit geht, träge
Und herab auf ihn fällt Traum um Traum.
Wer seine Botschaft schleppt in sein Gehege,
Der kann in die Zukunft schaun.

So sagt uns an, Schamanen,
Was brachten die Rauhnächte?
Das Gute, das wir ahnen,
Oder doch das Schlechte?

Nun, die erste Nacht steht für den Januar:
Ich sah ne wunderschöne Kaisersemmel,
Die fein tief in Mohn getunkt war.
Leider fiel sie der Verkäuferin zu Füßen
Und hinüber war das eine Exemplar.

Für den Februar ein runder Tisch aus Glas,
Darauf ein Häufchen weißer Zucker,
Den ich ohne Glücksgefühle aß.
Allein, um diesen Tisch herum zu rennen,
Fand ich scheiße lustig, machte Spaß.

Mitte März ging Porzellan entzwei,
Doch ich behielt den halben Cappucino.
Heinrich bracht mich in den Laden rein,
Ne fremde Frau vertilgte meine Torte,
Doch kein Vorwurf: Ich lud sie dazu ein.

Sagt weiter an, Schamanen,
Was brachten die Rauhnächte?
Gewiß wollt ihr uns warnen
Vor dem anderen Geschlecht.

Im April verbleiben mir Pommes frites,
Zum Mund geführt mit einer Dreizackgabel.
Hungrig auf der Bank sitzt wer, isst mit
Im Geiste nur und hinter nem "Nein, danke".
Seine Finsternis verfolgt mich Tritt auf Schritt.

Rittlings auf dem Stuhl grüß ich den Mai.
Das Weinglas vor mir muss ich balancieren.
Mit dem Mantra "Es fällt" ruf ich mich selbst herbei.
Gemächlich seh ich mich hinzu bequemen
Und zugleich vom Glas, doch nicht vom Durst befreit.

Oh, die Juno reicht mir einen Quirl.
Ich tus ihr nach, beginn den Teig zu quirlen.
Überschwänglich, sie blickt echauffiert.
Meine Mercedes geht auf in Nebel,
Futsch das Trinkgeld, zu früh gratuliert.

Sagt richtig an, Schamanen,
Was brachten die Rauhnächte?
Serviert uns doch Fasane
Und nicht dunkle Spechte!

Schon im Juli wird neu tapeziert.
Der Eingangstür bleibt nur der leere Rahmen.
Zögernd einzutreten steh ich an der Schwelle hier.
Ich weiß ich will vom Leben noch was haben.
Drinnen ist der Boden frisch gewischt, weshalb ich mich 
genier.

Der August bringt hohes Pik und Gulasch satt.
Für Sternenbilder geh ich über Leichen.
Wer was gegen meine guten Karten hat,
Dem sei der Ring aus Licht ein Himmelszeichen -
Meine Mutter lächelt dazu müd und matt.

Im September bin ich selber aufgewacht
Von Mutters Sorgen ne Etage drüber.
Hau den Besen an die Decke: Gute Nacht!
Doch steht die Tür bei mir parterre offen.
Also ging ich hin und hab sie zugemacht.

Sagt schließlich an, Halunken.
Was brachten die Rauhnächte?
Wart ihr stockbetrunken,
Erbrecht uns das Durchzechte?

Wartet, der Oktober brachte einen Trunk.
Hieß Lethe, ließ mich meinen Traum vergessen.

Halts Maul wie Deine Brüder!
Wir geben Euch Rauhnächte!
Prasseln auf Euch nieder
Von Nikolaus' sein Knecht.

Verschont mich!
Im November schlug dem Barden seine Stund:
Sein nölender Gesang verstummte.
Im Dezember werden wir gesund!

So überlebte ein Schamane
Im Nachgang der Rauhnächte.
Die Nachwelt hieß ihn Scharlatan,
Die Abgeschlachteten Gerechte.

30.1.21
A.R.

QUER

Er hat die harten Fakten
Dieser Pandemie,
Das Handeln der Herrschenden
Vergeblich studiert.
Hat Leute raunen hören:
"Das sind nur Kulissen."
Was dahinter wäre,
Könnten nur Verschwörer wissen.

Eines aber hat er doch kapiert.
Die Maßnahmen machen
Einen Popanz aus Dir zu mir.
Die Maßnahmen machen
Einen Popanz aus mir vor Dir.
Und aus Protest
Nimmt er Maß und
Drei Schritt auf Dich zu und
Ich umarme Dich
Auf offner Straße.
Fühlt sich das 
Gespenstisch an?

A.R.
24.1.21