Schlawiner

Es regnet nicht Kamellen,
Der Karneval ist abgesagt.
Und nirgends zu bestellen
Gibts Rosen für den Valentinstag.
Schuld ist dieses Virus aus China.
Der Narr liebt seinen Spleen,
Jens Spahn liebt Pandemien.
Ich vermisse meine Valentina.

Ihren Namen, ihren Namen,
Den ich tief inwendig weiß,
Ich hatte ihn vordem einmal verraten,
Geb ich unter der diesjährigen Folter nicht preis.
Und Nein, sie heißt nicht Carmen,
Sabrina oder auch Alina,
Schräg klingt auch Carina,
Nenn sie einfach Valentina,
Ich bin ihr Schlawiner.

Sie wär heut aufgekreuzt
Mit ihrem scheelen Tünnes.
Verkleidet hätt ich ihr geseufzt:
"Lass den Herrn dort stehn, ich bin es,
Dein Dich liebender Schlawiner."
Doch was das Herz mir auftrug,
Stumm bleibts ohne Aufzug,
Unerhört für meine Valentina.

Nur das bleibt nem Schlawiner
Mitten in dem Pandemiechen:
Mit Worten zu verdrießen
Und mit Öl das Feuer gießen.
So tun auch dieser Tage Mediziner.

A.R.
Valentin 2021

Après Après-Ski

Mitten in der Ausgangssperre,
Frühling 2020 im April,
Geschieht in meinen Träumen nicht,
Was die Regierung will.

Darin steigt `ne Party bei Caro,
Größter Schwarm seit Greta Garbo,
Mit Küsschen und Hallo.
`Ne schöne Frau tut ihren nackten Fuß
In meine erogene Zone.
Als Caro kommt und lächelt:
„Mädchen, Du bist ausgeladen“,
Interessiert sies nicht die Bohne.
Hier verliert mein Traum den Faden,
Bis ich merk, nur Frauen hier
Außer mir und Caros Mann.
Aber der serviert.

Mitten in der Ausgangssperre,
Mitten im Kontaktverbot,
Erschrecken meine Träume mich,
Denn die Regierung droht.

Im Anfang
Husche ich entlang
Der Piste
Übern Venushügel.
Erstaunliche Gelüste
Machen mich zur Pistensau.
Meine Rosse spreizen Flügel
Und ich flieg jetzt
Auf die Traumfrau…

Mitten in der Ausgangssperre,
Mitten im Kontaktverbot
Beschimpft mich mein Überich
Und die Regierung droht.

A.R.
15.4.20

Saphiras Tod

Du gibt’s mir einen Teil nur.
Einen anderen behältst Du.
Du gibt’s mir einen Teil nur.
Einen anderen behältst Du.
Nebelhüte verzaubern Deine Gestalt.
Zerrissenheit hat über Dich Gewalt.
Dein Angesicht verstellst Du.

Du gibst Heimlichkeit nicht preis.
Weißt den Weg nicht als Verführte.
Du gibst Heimlichkeit nicht preis.
Weißt den Weg nicht als Verführte.
Füße derer, die den Mann hinaus getragen,
Lebendig in dem Acker begraben haben,
Harren Deiner vor der Türe.

Du gibt’s mir einen Teil nur.
Einen anderen behältst Du.
Du gibt’s mir einen Teil nur.
Einen anderen behältst Du.
Dein schönstes Kleid spaziert vor der Welt.
Dein Hingegebenes ist abgezählt.
Die Heiligen verprellst Du.

Für den Preis von einem wahren Wort
Ließen sie Dich in der Gnade.
Für den Preis von einem wahren Wort
Ließen sie Dich in der Gnade.
Dich packt Furcht um Deinen restlichen Besitz.
Unaufrichtigkeit maskiert Dein Antlitz.
Du lebst und stirbst für die Fassade.

Du gibt’s mir einen Teil nur.
Einen anderen behältst Du.
Du gibt’s mir einen Teil nur.
Einen anderen behältst Du.
Sieh, von Anbeginn war alles sehr gut.
Zurück und übrig bleibt die Wonne der Schwermut.
Gottes Angesicht vergrellst Du.

18.8.19

Gut betrunken

 

Manchmal, wenn ich gut betrunken bin,
Versteh ich gar nicht, was so schwierig ist.
Du hast nen Mann für den papiernen Kram
Und ich bin Dein Artist.
Du nennst mich unberechenbar.
Nun ja, ich stell mich auf den Wechsel ein.
Denn mal willst Du die gute Mutter,
Manchmal die Geliebte sein.

Manchmal wenn ich gut betrunken bin,
Ergibt das Richten für mich keinen Sinn.
Ich lass die Kreuze aufrecht stehn.
Es geht sich aus mit Dir, kommt hin.
Du nennst mich…und Du meinst verrückt.
Ach nein, ich stell mich auf den Wechsel ein.
Denn mal willst Du die treue Gattin,
Manchmal die Geliebte sein.

Ach, Freunde, Zeit wird’s,
Dass ich mich entgifte
Von dem Alkohol, von ihr!?
Ich bin fast weg von Wein und Whiskey.
Bleibt ja nur noch Bier.
Solang’ ich Vater schimpfen höre:
„Mit dem Jungen stimmt was nicht!“
Lass ich’s garantiert nicht, nein.
Und eines Tages, hier oder anderswo,
Wird sie für mich frei sein.

Manchmal, wenn ich gut betrunken bin,
Steht keinerlei Geschichte zwischen uns.
Mein Abgang von der Bühne war perfekt.
Wir litten für die Kunst.
So deklamier mich unberechenbar.
Auf die Art wird was Neues aufgeführt.
Das Publikum braucht neue Stücke.
Am liebsten eins, das rührt.

A.R.
4.8.19

Der Frau des Polykrates

Ich kenne Deinen Ring.
Er glänzt von Silber fein.
Du ließest ihn einmal
Auf meinem Nachttischlein.

Du warst schon durch die Tür.
ich lag noch übermannt,
Glückselig – da fiel
Dein Blick auf Deine Hand.

Die Furcht entging mir nicht.
Du kamst zurück gerannt.
War wirklich Furcht in Dir,
Ich hielte ihn als Pfand?

Ich bin so trickreich nicht.
Der Ring erschien mir hohl.
Von innen war er’s auch.
Ein treffliches Symbol.

Dem Ring gelingt doch nie,
Was nur die Seele schafft.
In ihm steckt nicht Magie.
Dein Herz liebt lau, ist schlaff.

Und würfst Du ihn ins Meer.
Ein Fisch brächt’ ihn an Land.
Dein wahres Glück entwich
Aus Deinem Horizont.

25.Mai 19
A.R.